Stottern

Wussten Sie, dass Stottern mit einer Häufigkeit von 4-5 % im Kindesalter genau so oft auftritt wie das ADHS-Syndrom? 

Wussten Sie auch, dass zahlreiche Prominente wie Isaac Newton, Winston Churchill, Marilyn Monroe, Scatman John, Ben Johnson, Bruce Willis und Rowan Atkinson gestottert haben oder stottern, was sie jedoch nicht von ihrer Karriere abgehalten hat?

Wir wissen heute, dass Stottern eine organisch bedingte Sprechstörung ist, bei der es durch Wiederholung von Wortteilen („kkk kalt“), Dehnungen („wwwwwwwarm“) und Blockaden („______heiß“) zu Unterbrechungen im Redefluss kommt. Sprechen wird anstrengend und Verkrampfungen der Gesichts- und Halsmuskulatur sowie Bewegungen des Kopfes oder Rumpfes lassen die Symptomatik auffällig erscheinen.

Wir wissen auch, dass Stottern keine dumme Angewohnheit ist, nicht durch einen psychischen Knacks oder falsche Erziehung verursacht wird und sich stotternde Menschen hinsichtlich Intelligenz und Verhalten nicht von anderen unterscheiden – ganz im Gegensatz dazu, wie Stotterer oft in Filmen dargestellt werden.
Von den 800.000 stotternden Menschen in Deutschland wird meistens die Sprechangst als das Schlimmste am Stottern beschrieben. Da kauft jemand eine Fahrkarte nach Bonn anstatt nach Köln, weil er das „B“ in Bonn leichter aussprechen kann, oder ein anderer telefoniert nicht, weil er kein Wort herausbringt, eine Schülerin erhält im Mündlichen eine fünf, weil sie sich aus Scham nicht meldet. Situationen wie diese erzeugen Resignation und Selbstvorwürfe und können in die soziale Isolation führen.

Vielen stotternden Schülern und ihren Lehrern ist nicht bekannt, dass für Stottern als Behinderung Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes gilt, dass niemand aufgrund seiner Behinderung benachteiligt werden darf. Stotternde Schüler haben Anspruch auf einen Nachteilsausgleich.

In der Therapie mit jugendlichen und erwachsenen Stotterern geht es darum, dem Einzelnen verschiedene Bausteine der vielfältigen Stottertherapie-Ansätze anzubieten, so dass er erproben kann, was für ihn passt.
Großen Wert legen wir in unserer Praxis darauf, dass die erlernten Sprechtechniken sich auch in der alltäglichen Kommunikationssituation bewähren, weshalb wir viel „im Leben“ oder, wie der Fachmann sagt „in vivo“ trainieren.
Auch ehemalige Patienten nehmen noch gerne das Angebot wahr, in dieser In-Vivo-Trainingsgruppe mitzuwirken.

Jungen stotternden Kindern und ihren Eltern bieten wir ebenfalls verschiedene Möglichkeiten an. Auf den Einzelfall zugeschnitten kann es sinnvoll sein, eine Familie nur zu beraten und Nachsorgetelefonate oder -termine zu vereinbaren oder nach dem Lidcombe-Ansatz die Eltern anzuleiten, in der häuslichen Umgebung die sprechflüssigkeitsfördernden Sitzungen mit dem Kind selbst durchzuführen.
Oder es kann angeraten sein, mit dem Kind direkt z.B. nach dem Kids-Ansatz von Sandrieser/ Schneider zu arbeiten.

Es gibt viele Interventionsmöglichkeiten - wir sind engagiert, uns fachlich auf dem Laufenden zu halten und Ihnen und Ihrem Kind Möglichkeiten vorzuschlagen – Sie erwägen dann mit uns, was für Ihre Familie passt.

Generell gilt: Je früher ein Kind behandelt wird, desto größer die Chance, dass Stottern nicht zu einer lebenslangen Behinderung wird.